Ein Wildfang erzählt

Es war ein wunderschöner Morgen und die Sonne ging langsam auf. Ich saß mit meiner gefiederten Freundin und einigen anderen Kumpels auf einem hohen Baum im Urwald und die aufsteigende Sonne schien auf unsere Gefieder. Andere Papageien flogen vorbei und begrüßten uns. Wir lauschten der Stimme des Urwaldes und ich kraulte zärtlich meine Freundin und schnäbelte mit ihr. Langsam bekamen wir Hunger.

 

Wir flogen mit etlichen Kumpels los, um nach was Nahhaften Ausschau zu halten. Ich landete auf einem dicken Ast, weil ich dachte was erspäht zu haben, doch plötzlich verfing ich mich in einer Schlinge, die um den Ast gewickelt war. Ich schrie nach Hilfe, so laut ich nur konnte und versuchte mit all meiner Kraft mich aus meiner Falle zu befreien, aber ich schaffte es einfach nicht und die Schlinge zog sich immer fester, das es weg tat. Meine Freundin und meine Kumpels saßen in sicherer Entfernung oben in den Bäumen und schauten fragend zu mir hin, bis sie durch irgendwas aufgescheucht wurden und im Urwald verschwanden.

 

Ich war total verzweifelt und schrie, aber es nütze nix, ich war gefangen und ganz allein.

Ich hing dort viele Stunden fest, aber es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Plötzlich kamen riesige Gestalten aus dem Dickicht. Ich hatte Todesangst. Eine von ihnen packte mich und löste mich unsanft aus der Schlinge. Ich dachte, das sei nun mein Ende. Man stopfte mich in eine dunkle Kiste, in der schon andere Papageien verängstigt hockten. Einige von ihnen waren verletzt und hatten Schmerzen.

Dann wurden wir unsanft in eine andere Kiste gestopft, in der schon ganz viele von uns zusammengepfercht waren. Es war so eng, dass man kaum Luft holen konnte. Einige von uns lagen schon tot am Boden der Kiste. Es war die Hölle!

 

Ich hatte furchtbare Angst und schrecklichen Hunger, aber es gab nix zu essen oder zu trinken in dieser Schreckenskiste.

Wir wurden irgendwo hin transportiert und man pferchte uns mehrere Wochen ein und wir wurden nur sehr notdürftig verpflegt und mit Medikamenten voll gestopft. In dieser Zeit habe ich sehr viele Freunde sterben sehen, die die Strapazen nicht überstanden haben. Es war der pure Alptraum.

 

Irgendwann landete ich schließlich allein in einem Käfig, der in einem Zooladen stand. Täglich liefen viele dieser furchtbaren Wesen an mir vorbei, von denen mir welche meine Freiheit genommen haben. Viele starrten mich an, ich bekam Panik und flatterte oft wild durch mein Gefängnis. Alles machte mir furchtbare Angst, es war einfach nur schrecklich!

 

Wo waren meine Kumpels hin ? Ich war so unendlich allein.

 

Eines Tages kamen zwei dieser Furcht einflößenden Wesen und begutachteten mich. Dann wurde ich in eine Schachtel gesteckt und mitgenommen.

Ich landete in einem Käfig, der in einem Zimmer stand. Er war recht klein und fliegen konnte man darin überhaupt nicht. Auch hier waren keine Kumpels zu sehen. Die Wesen beobachteten mich und sprachen mit mir, aber ich verstand sie nicht.

Wann sollte dieser Alptraum denn enden?

 

Wenn sie mir zu nahe kamen, bekam ich Angst und flatterte wild durch den Käfig und schrie. Mit der Zeit gewöhnte ich mich an ihre Gegenwart und denke nicht, dass sie mir wehtun wollen.

 

Nun sitz ich hier und versteh die Welt nicht. Man gibt mir hier zwar reichlich zu fressen und die beiden Wesen bemühen sich um mich, aber ich traue ihnen nicht, nachdem mir von ihresgleichen so schreckliches angetan wurde. Alles hier ist so furchtbar fremd für mich. Was soll ich hier in dieser schrecklich fremden Welt? Ich will hier nicht sein !

 

Wenn die Sonne manchmal durchs Fenster in meinen Käfig scheint, schließe ich meine Augen und träume von jenem Morgen, wo die Sonne auf mein Gefieder schien und meine geliebte Freundin neben mir saß. Ich sehe ihr Augen vor mir und höre in Gedanken den Urwald. Wie herrlich doch das Rauschen der Blätter im Wind klag und wie schön das Gefieder meiner Freundin im Sonnenlicht schimmerte.

Ich vermisse sie so doll. Ach könnt ich doch noch einmal in ihre Augen sehen und mit meinen Kumpels durch den Urwald fliegen.

Ich hoffe es geht ihnen allen gut. Ob ich sie je wieder sehe?.....Wahrscheinlich nicht, ich hab die Hoffnung längst aufgegeben.

Ich bin furchtbar traurig und fühl mich so allein. Warum hat man mir das nur angetan ?

Ich möchte an dieser Stelle bitten, keine Wildfänge neu zu erwerben, da man mit dem Kauf den Wildvogelhandel unterstützt und den Tod vieler Vögel dafür in kauf nimmt.

Wildfänge sind oft traumatisiert und werden dem entsprechend schwerer zahm, wenn denn überhaupt. Kein Wunder, bei dem, was die Tiere mit dem Menschen erlebt haben. Allein beim Transport stirbt schon ein Großteil der Tiere. Auch Verletzungen kommen beim den meist brutalen Fangmethoden recht häufig vor, ganz zu schweigen von dem furchtbaren Stress, dem die Tiere ausgesetzt werden. Auch die langen Transporte in überfüllten Kisten und die Unterbringung in unhygienischen Käfigen bei meist mangelhafter Verpflegung, schwächt die Tiere enorm.

Kauft bitte Nachzuchten, von denen es in Deutschland wirklich genügend gibt. Die Tiere werden es Euch danken!!!

Wer gern ausführliche Infos zum Thema Wildvogelfang sucht, sollte sich folgenden Link anschauen. Darin wird schnell klar, dass die Geschichte hier leider der traurigen Realität entspricht:

 

Wildvogelhandel / Ein Tödliches Geschäft

 

Aktueller Hinweis:

Seit Ende 2005 ist der Handel mit wilden Papageien glücklicherweise gestoppt worden, wodurch derzeit legal keine neuen Wildfänge mehr in der EU gehandelt werden. Ich hoffe, dass dieses Importverbot im Interesse der Tiere auch aufrecht erhalten wird.

© Manuela Becker 2016 . Erstellt mit Wix.com.

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